Weihnachten

Einige Wochen nachdem die Läden schon Lebkuchen, Plätzchen und Mandarinen anbieten und man deren Anblick nicht mehr ertragen kann und schon einen Würgereiz bekommt, wenn die Menschen eilig über den Weihnachtsmarkt hetzen um importiertes Plastikspielzeug aus China zu Wucherpreisen zu kaufen und man die ganze heuchlerische Werbung nicht mehr aushalten kann, dann weiß man, es ist Weihnachtszeit.

Jesus hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als in der Mitte des Winters geboren zu werden, natürlich dann, wenn es draußen kalt und nass ist und man morgens das Gefühl hat, nicht Straßenbahn zu fahren, sondern mit der transsibirischen Eisenbahn bei -40° Celsius. Menschen, die ihre Weihnachten nicht gerade auf Hawaii verbringen, stellen sich dann tote nadelnde Bäume ins Wohnzimmer und geben viel Geld aus um den Gören das neuste Smartphone mit doppelt so viel Leistung als letztes Jahr zu schenken, damit diese dann noch mehr unnötige Bilder auf Instagram hochladen. Natürlich darf an Heiligabend das Geplärre der blondierten Blondine (ja, ihr habt richtig gelesen) Helene Fischer samt Kitsch und Schwachsinn im Fernsehen nicht fehlen (kostet ja auch nur 17,50€ im Monat). Und dann kommen schon endlose Jahresrückblicke für alle Demenzkranken, damit auch jeder erinnert, was dieses Jahr passiert ist. An Weihnachten beim Festessen schaufeln sich alle voll und der Effekt sämtlicher Diäten des vergangenen Jahres ist hin, aber keine Sorge, an Silvester kann man sich wieder vornehmen Diät zu machen. Auch darf das pseudo-solidarische Gequake von CDU und CSU zu Weihnachten nicht fehlen, über Millionen von Arbeitslosen, Armen, Obdachlosen, Minijobbern, armen Rentnern, Flüchtlingen und sonstigen Personen, die kaum was in der Tasche haben, wird natürlich hinweggesehen, wie auch das gesamte restliche Jahr, man diskutiert lieber über sinnlose Maut, die niemanden was bringt. Die anderen Parteien sind aber auch nicht besser.

Nicht zu vergessen ist auch der Stress zu Weihnachten: Überfüllte Innenstädte, Züge, Busse und Läden gehören zu Alltag. Auf dem Weihnachtsmarkt herrscht das Recht des Stärkeren und spätestens, wenn man einen Ellenbogen in die Fresse bekommt kann man den Solidaritätsgedanken zu Weihnachten abhaken. Eilig hetzen Paketboten-Sklaven über die Straßen, damit auch jeder pünktlich seine Amazon-Bestellung per Prime-Lieferung pünktlich bekommt, weil man natürlich alle Geschenke einen Tag vor Weihnachten bestellen muss. Es werden immer gleiche monotone Texte auf Weihnachtskarten geschrieben, in welchen man nur den Namen ändern muss. Und natürlich muss und jede Firma dieser Welt ein schönes und gesegnetes Weihnachtsfest wünschen, auch die gleichen Firmen übrigens, die ihre Mitarbeiter das restliche Jahr schamlos ausbeuten und wo nur der Profit im Vordergrund steht.

Und kaum ist Weihnachten schon vorbei, werfen alle auch schon ihre nadelnden, toten Weihnachtsbäume wieder auf die Straße, tauschen ihre Geschenke wieder um, die Plastik-Deko verschwindet im Keller und die Gören wollen schon nach zwei Wochen wieder ein anderes, besseres Smartphone (eines ohne Klinkenausgang diesmal).

Und weil ich gerade so gut drauf bin, schreibe ich noch ein schönes Gedicht zu Weihnachten.

Advent, Advent,
Mein Samsung brennt,
Note 1 Note 2,
Und bald auch 3,
Alle werden langsam heiß.

Doch bald schon wieder, glaubt es kaum,
Steht Weihnachten schon im Raum.
Und Weihnachtsbaum und Note 2,
Brenn’ um die Wette, bald auch Note 3.

Ja, ich kann gut reimen. Der Reim 3 auf heiß gefällt mir besonders!
Aber es kommt noch besser:

Es brennt das Haus vom Nikolaus,
Denn Nikolaus in seiner Eil,
Vergaß am Kabel das Note 2.
Nun schmort das Handy, es kommt Rauch,
Und geht alsbald in Flammen auf.
Bei Nikolaus in seiner Qual,
Ist Feuerwehr die erste Wahl,
Doch leider, leider, so ein Pech,
Ist doch gerade das Note 2 weg.
Telefonieren ist jetzt wohl nicht,
Was natürlich nichts Gutes verspricht.
Nikolaus sitzt in der Patsche
Und sein Haus brennt bis zur Asche.
Und Heiligabend fällt jetzt flach,
Denn Nikolaus hat nichts im Sack.
Und Alle Rentiere sind auch tot,
Erstickt sind sie in ihrer Not.
Und die Moral von der Geschicht‘,
Ein Samsung kaufen lohnt sich nicht!

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